Genossenschaftliche Lösungen für die Wärmeversorgung


10. März 2020

Genossenschaftliche Lösungen für die Wärmeversorgung

Recht, Wirtschaftlichkeit

Ein Beitrag von Kirsten König,  Genossenschaftsverband Weser-Ems e.V.

Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele“ – auf diesem einfachen Gedanken basiert das genossenschaftliche Geschäftsmodell.

Seit über 170 Jahren schließen sich Gemeinschaften nun schon zu Genossenschaften zusammen. Heute gibt es sie in nahezu allen Bereichen – im Bankensektor, der Landwirtschaft, dem Handel, im Dienstleistungsgewerbe, im Sozialen und Kulturellen sowie im Bereich der erneuerbaren Energien.

Das genossenschaftliche Prinzip ist davon geprägt, dass sich einzelne juristische und/oder natürliche Personen mit ähnlich gelagerten Interessen mit Hilfe einer Genossenschaft zusammenschließen, um ihre Kräfte zu bündeln und gemeinsam Aufgaben zu bewältigen, die der Einzelne nicht erfüllen könnte.

Die Genossenschaft ist eine demokratische Gesellschaftsform. Jedes Mitglied hat eine Stimme – unabhängig von der Höhe seiner Kapitalbeteiligung. Sie ist ausschließlich ihren Mitgliedern verpflichtet. Die Förderung ihrer Interessen ist die oberste Handlungsmaxime für die Genossenschaften.

Zur Gründung einer Genossenschaft sind mindestens drei Personen erforderlich. Die Gründungsmitglieder legen die schriftliche Satzung, neben dem Genossenschaftsgesetz das maßgebliche Regelwerk für die Genossenschaft, fest. Unterstützung bieten die Gründungsberater*innen der regionalen Genossenschaftsverbände. Checklisten, Arbeitsunterlagen und Gründungstipps sowie die Ansprechpartner der jeweiligen Regionen sind unter www.genossenschaften.de zu finden.

Jede Genossenschaftsgründung ist durch den zuständigen Genossenschaftsverband zu prüfen. Die Genossenschaft wird Mitglied in diesem Verband, der im Interesse der Mitglieder regelmäßig die wirtschaftlichen Verhältnisse und die Ordnungsmäßigkeit der Geschäftsführung sowie den Jahresabschluss prüft.

Das für die Umsetzung des gemeinsamen Vorhabens benötigte Kapital wird durch die Einlagen der Genossenschaftsmitglieder sowie einer eventuellen Fremdfinanzierung aufgebracht. Bei einem positiven Jahresergebnis der Genossenschaft hat das Mitglied grundsätzlich Anspruch auf eine Dividende. Im Falle von Verlusten der Genossenschaft haftet das Mitglied gemeinhin nur mit seinem gezeichneten Geschäftsguthaben.

Durch das gestiegene Umweltbewusstsein in der Gesellschaft wurden in den vergangenen zehn Jahren besonders viele Energiegenossenschaften, insbesondere in den Bereichen Photovoltaik, Nahwärme und Windenergie, neu gegründet. Besonders bei diesen Energiegenossenschaften hat sich die Bürgerbeteiligung über die Genossenschaft als Erfolgsmodell erwiesen.

Im Wärmebereich bieten Genossenschaften die Möglichkeit eines Zusammenschlusses von Kommunen, Unternehmen und Bürgern zur kostengünstigen Nutzung anfallender Abwärme. Die Nutzung ist sowohl im Zuge des Neubaus als auch bei Bestandsanlagen möglich. Bei Neu-Anlagen sollte eine sofortige Einplanung dieser Form der Wärme-Nutzung als Nahwärme-Netz mit Satelliten BHKW´s erfolgen. Bei Bestandsanlage kann durch die Optimierung der Wärmenutzung eine besondere ökonomische und ökologische „Win-Win-Situation“ erzielt werden. Ein weiterer Vorteil von Nahwärmegenossenschaften ist, dass eine große Abnehmergemeinschaft in der Regel verlässlicher ist, als ein einzelner Abnehmer.

Biogas-Netze sind eine gute Alternative zur teuren Aufbereitung und Einspeisung in das Erdgas-Netz. Derartige Konzepte erhöhen die Akzeptanz der Bürger*innen für die Energiegewinnung aus Biomasse und stärken die energetischen Unabhängigkeit von Kommunen. Zudem kann gleichzeitig die regionale Wertschöpfung durch derartige Projekte erhöht werden.

Im Folgenden möchten wir Ihnen einige Beispiele für erfolgreich umgesetzte Nahwärmegenossenschaften vorstellen:

 

Nahwärme Heede eG

Bereits seit dem Jahr 2009 haben sich die Bewohner*innen eines Baugebietes in Heede über ihre Genossenschaft weitgehend unabhängig von Erdöl und Erdgas gemacht. Seitdem werden Sie bereits über ein Rohrleitungsnetz mit der Abwärme einer nahegelegenen Biogasanlage für Heizung und Warmwasser versorgt.

Die Abwärme der mit Gülle und Maissilage betriebenen Biogasanlage verpuffte bis dahin ungenutzt. Bereits zu Baubeginn konnten mit den vorhandenen Kapazitäten rund 60 Haushalte angeschlossen werden.

 

Venner Energie eG

Nach umfangreichen Vorgesprächen und Machbarkeitsuntersuchungen seitens der Gemeinde Ostercappeln und Europas größter Waffelfabrik, der Firma Meyer zu Venne, fiel 2014 der Startschuss, die industrielle Abwärme der Waffelproduktion über die Anbindung eines Nahwärmenetzes zu nutzen. Zu diesem Zweck schlossen sich die Bewohner*innen eines nahegelegenen Wohngebietes mit den Initiatoren zusammen und gründeten die Venner Energie eG.

Inzwischen sind über 170 Gebäude im Ortskern von Venne am Nahwärmenetz angeschlossen. Darunter auch die örtliche Grundschule, der Kindergarten, das Dorfgemeinschaftshaus mit Feuerwehrgerätehaus, ein Altenpflegeheim und der EDEKA-Markt.

Mit der recycelten Abwärme Europas größter Eishörnchenfabrik ist ein bundesweites Vorzeigeprojekt zum Schutz unseres Klimas entstanden.

Sie können mehr Informationen hier finden.

 

Bürgerenergie Bohlsen eG

Mit dem Ziel, die als Reststoff bei der Getreideverarbeitung anfallende Dinkelspelzen zum Wohl der Bürger zu nutzen, wurde im Jahr 2016 auf Initiative der Bohlsener Mühle die Nahwärmegenossenschaft Bürgerenergie Bohlsen eG gegründet.

Inzwischen wir der hohe Brennwert der Dinkelspelzen dazu genutzt, 80 der insgesamt 170 Haushalte über das Nahwärmenetz mit Heizung und Warmwasser zu versorgen.

Ganz nach dem Motto „Akzeptanz durch Teilhabe“ bieten Energiegenossenschaften die Möglichkeit, Bürger*innen, Unternehmen und Institutionen aus der Region gleichberechtigt einzubinden und gleichzeitig die Identifikation mit örtlichen Projekten zu fördern. Durch die Bürgerbeteiligung erfolgt eine frühzeitige transparente Information und Einbindung in die geplanten Energieprojekte. Gleichzeitig wird eine dauerhafte Mitbestimmung in Gremien der Energiegenossenschaft ermöglicht.

Die Investitionen von Kapital erfolgen aus der Region in der Region als kalkulierbare, seriöse Geldanlage. Gleichzeitig zeichnen sich die Genossenschaften dadurch aus, dass sie möglichst großer Teile der Wertschöpfungskette in der Region binden.

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