Klimaschutz im Flecken Steyerberg: kein Verzicht, sondern mehr Freiheit


13. Juli 2021

Klimaschutz im Flecken Steyerberg: kein Verzicht, sondern mehr Freiheit

Praxis, Wärmeplanung

Die Agentur für Erneuerbare Energien zeichnete im Januar 2020 die Gemeinde Flecken Steyerberg als Energie-Kommune des Monats aus.

Die Masterplan-Kommune Flecken Steyerberg hat das Ziel, bis spätestens 2050 die Treibhausgasemissionen um 95 Prozent zu reduzieren. Dafür wurden verschiedene erneuerbare Technologien in der Gemeinde installiert, die in allen Sektoren einen Mehrwert für die Bürger*innen bringen. „Die Vielzahl an Erneuerbare-Energien-Projekten sowie die Nutzung verschiedenster Technologien im Flecken Steyerberg ist beeindruckend. Die Auszeichnung zur Energie-Kommune des Monats lag deshalb für uns auf der Hand“, sagt Dr. Robert Brandt, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE).

Bürgerwindenergieanlagen, E-Mobilitätskonzept sowie die Genossenschaft BürgerEnergie Steyerberg Fernwärme eG: Dass die Beteiligung der etwa 5.200 Einwohner*innen der Gemeinde für die erfolgreiche Umsetzung des Masterplans großgeschrieben wird, ist offensichtlich. Ab März 2020 beginnt der Bau des größten Fernwärmenetzes im ländlichen Raum. Bereits 2015 hat sich die Bürgerenergiegenossenschaft gegründet, die das 26 Kilometer lange Fernwärmenetz finanziert hat und entsprechend vom Gewinn profitieren wird. „Nach der Fertigstellung werden ungefähr 40 Prozent aller Häuser im Ortsteil Steyerberg an das Fernwärmenetz angeschlossen sein“, erklärt Bürgermeister Heinz-Jürgen Weber. Die Wärme werde durch das ortsansässige Chemieunternehmen Oxxynova erzeugt. „Abwärme aus großen Fabriken im ländlichen Raum bietet eine enorme Chance, ist aber noch nicht sehr weit verbreitet“, ergänzt Masterplanmanagerin Sabine Schröder.

Das Fernwärmenetz ist nur ein Puzzleteil von vielen, die im Flecken Steyerberg für eine grüne Energieerzeugung sorgen. Verschiedene Nahwärmenetze, betrieben durch Biogas, sind bereits installiert. Auch im Mobilitätssektor konnte die Gemeinde unterschiedliche Projekte aus dem Masterplan umsetzten. Die Verwaltung verfügt über zwei E-Autos, die für Dienstfahrten genutzt werden und darüber hinaus der Gemeinde zum Car-Sharing zur Verfügung stehen. Auch ein neuer E-Bus bereichert das Mobilitätsangebot für ältere Einwohner*innen und lokale Vereine. Für Bürgermeister Weber hat der Bus einen weiteren entscheidenden Vorteil: „Das bringt den Menschen nicht nur mehr Mobilität, sondern wirkt auch der sozialen Verarmung entgegen.“

Eine wichtige Maßnahme zur Stärkung der Nachhaltigkeit in der Region ist für Weber die Beschränkung des Flächenverbrauchs. Flecken Steyerberg hat die Ende 2015 genutzten Flächen prozentual festgeschrieben. Das heißt, dass der Stand der Bebauung festgelegt ist und Neubauten nicht ohne die Planung von Freiflächen an anderer Stelle durchgeführt werden können. „Wir versiegeln keine Ackerflächen, keinen Wald oder sonstige Flächen. Wir kommen mit den Flächen aus, die wir besitzen,“ so der Bürgermeister.

„Wichtig ist, zu sehen, wie auch eine kleine Kommune Projekte anstoßen kann, Ideen entwickelt und Akteure begeistert“, sagt Schröder über ihre Arbeit im Flecken Steyerberg. Als kleinste von bundesweit 41 Masterplan-Kommunen sind die Projekte für die Bürger*innen im Alltag unmittelbar erlebbar und zeigen vor Ort, wie sich Erneuerbaren Energien mit sozialen Themen verbinden lassen.

Ende Juni 2020 wird der Masterplan auslaufen, aber auch über diesen Zeitraum hinweg haben die Flecken Steyerberger*innen noch viele Pläne, die es in der 100-Prozent-Erneuerbare-Energien-Region umzusetzen gilt. „Als eines der nächsten Projekte werden wir ein Solarkataster entwerfen und der Passivhaus-Standard für Neubauten soll umgesetzt werden“, so Weber. Zudem soll ein Schulgebäude nach den 17 UN-Entwicklungszielen (SDGs) zu einem Bildungszentrum für Nachhaltigkeit ausgebaut werden.

Ein ausführliches Interview mit Heinz-Jürgen Weber und Sabine Schröder zu der Energie-Kommune Flecken Steyerberg finden Sie auf der Webseite der Agentur für Erneuerbare Energien.

Weiterer Informationen finden Sie auf dem Internetportal KlimaStark.

Foto: Gemeinde Flecken Steyerberg

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